St. Anna Kapelle
Freitag, 27. Mai 2016 - 16:02 Uhr

St. Anna Kapelle

Die St. Anna-Kapelle am Guten Brunnen | Zwönitz

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» Geschichte

Am Rande der Ortsflur liegt ein altes, historisches Quellgebiet, in welchem mehrere Heilquellen mit mehr oder weniger starker Heilwirkung hervortreten.
Eine der bestehenden Sagen berichtet, daß ein Förster aus dem nahen Streitwald eine blinde Tochter hatte, welche von einer Quelle träumte, die ihr Heilung versprach. Der Erzählung nach soll er mit seiner Tochter am Sankt-Anna-Tag (1498) die Quelle gesucht und auch gefunden haben. Nachdem er die Augen des Kindes darin gewaschen habe, konnte es wieder sehen.
Ihre Gesundung wurde bald bekannt und es kamen viele kranke und gebrechliche Leute in den folgenden Jahren zum Brunnen, um ebenfalls Heilung zu erfahren.

Erste schriftliche Erwähnungen der Heilquelle gehen auf die Jahre 1590 (ALBINUS), 1600 (Lehrer PFÜNTEL) und 1608 (BRENDEL – erste Abhandlung in deutscher Sprache) zurück.
1504 erwähnt ein Verwaltungsregister des Meißner Bistums eine „capella Sancte Anne in Czwenitz in sede Stolbergk“.
Schon in den ersten 200 Jahren nach der Entdeckung der Heilquelle erscheinen etwa 20 Berichte und Abhandlungen über den „Heilsamen Brunnen“.
1603 machte der 100jährige Peter RICHTER eine gerichtlich beglaubigte Aussage über verschiedene Heilungen, nannte auch Namen von geheilten Personen und erwähnte auch eine Kapelle.
Der Brunnen wird weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannt und es kommen „niedrige und hohe Personen“ um Heilung zu erfahren. In mehreren Abhandlungen wurden oft Personen mit ihrem Namen und ihren Leiden genannt, die durch die Heilquelle gesund geworden sind.
Den ursprünglichen „Annen Brunnen“, „St. Anna Brunnen“ oder auch „S. Annens Gnaden-brunnen“ genannt, bezeichnet man bald als den „Tannen Brunnen“ und überhaupt wandelt sich der Brunnen Name oft im Laufe der Zeit.
Im „Ur-OEDER“ (1592/93) ist ein Nachtrag, „der heilsame thanne Brunn“ zu finden. Die Bezeichnung „ drei Tannen Brunnen“ oder „Brunn zun dreyen Tannen“ geht wahrscheinlich auf eine Neufassung der Heilquelle zurück, bei der drei Tannen gepflanzt wurden oder aber auf ihr dortiges Vorhandenseins. Als Namensgeber sind aber auch damals vorhandene Tannen im dortigen Gelände nicht auszuschließen.
Welche Bedeutung das Volk der Heilquelle zumaß geht aus der Bezeichnung „Gnadenquell“ und „heiliges Brünnlein“ hervor. Auf einem Abriß der Schönburgschen Grenzen (1628) sieht man den Eintrag „guter- und heilsamer Brunnen“. JUNGHANS (1756) spricht von einem sehr berühmten „Gesundbrunnen“.
Bereits 1646 entdeckt man einen weiteren Brunnen mit Heilwirkung und nennt ihn „Krätzbrunnen“, da er verschiedene Hautausschläge geheilt haben soll. In einem Bericht von S.P.S. (1646) wird von einer größeren Anzahl von Besuchern berichtet, welche am 9. Sonntag nach Trinitatis, am 26. Juli 1646, dem St. Annatag, zu Hunderten zum Brunnen strömten. Um diese Zeit war wiederum ein Aufblühen des Gebrauchs der Heilquellen zu verzeichnen.
Bei einer Neufassung der Quellen 1711, wird die Heilwirkung eines „Augenbrunnen“ bekannt. Ab 1717 wird für das gesamte Gebiet allgemein nur noch der Name „Guter Brunnen“ gebraucht. 1818 kam ein Brunnen mit der Bezeichnung „Neubrunnen“ sowie eine ungefaßte Quelle hinzu, welche in ihrer Wirkung schwach war und daher keine besondere Bedeutung für den Heil- und Badebetrieb hatte.
Das Heil- und Mineralwasser wurde nicht nur an Ort und Stelle verwendet und gebraucht. Bereits in den ersten Jahren nach der Entdeckung wurde es in Kannen, Krügen und Tongefäßen nach Hause geholt. Auch wurde es in Tonnen und Fässer gefüllt, verpicht und mit Pferdewagen weit übers Land vertrieben. Die Abfüllung und der Vertrieb erfolgte später gewerblich. Der Flaschenhandel mit Versand erfolgte ab 1926, wurde 1952 verpachtet und endete 1994.
Bei allen Brunnen handelte es sich um einfach gefaßte Quellen, die teils mit Holz oder Schieferplatten gefaßt und abgedeckt waren. Anfang des 20. Jahrhunderts, aber noch vor 1914 wurde vom Annen Brunnen das eigentliche Überlaufwasser zu einem offenen „Radiumsprudel“ geleitet und mit einigen Bänken umstellt, um in der Außenanlage des Geländes ein belebendes Element zu haben.
Heute noch geben der Gute Brunnen, der Anna Brunnen, der Krätzbrunnen und der Augenbrunnen schwach radioaktives Quellwasser ab, welches ungenutzt in den nahen Wernsbach fließt. Die beiden erstgenannten Quellen und der Radiumsprudel sind durch eine ABM Ende des 20. Jahrhunderts saniert und neu gestaltet worden.

 

 

 

» Wassernutzung und Bad Guter Brunnen

Die Nutzung des Heilwassers erfolgte seit jeher durch trinken, waschen und baden. Das Wasser wurde willkürlich verwendet. Zu Zeiten mit großem Andrang, allerdings durch einen

Brunnenmeister geregelt, welcher dann für einen geordneten Zugang zu den Brunnen und für eine maßvolle Nutzung der Wassermenge sorgte.

Lange Zeit wurde die Anlage am Guten Brunnen als „Bad“ bezeichnet und ein Badebetrieb mit Gastronomie angeboten und durchgeführt.

Dafür wurde 1819 eigens ein neues Badehaus gebaut, in welchem dann, mit Unterbrechung aus verschiedenen Gründen, ein Badebetrieb bis 1949 durchgeführt wurde. Das Badehaus hatte 10 Zellen und 11 Wannen. Für die Jahre von 1902 bis 1916 wird z. B. die Zahl der Kurgäste mit 90 bis 156 angegeben. 1951 sollen es noch 87 Kurgäste gewesen sein.

DIETRICH & WEBER schreiben gar 1822 über „... Geschichte der „Trink-, Bade-, Kur- und Vergnügungsanstalt“ an dem Guten Brunnen bei Niederzwönitz.

Das Wasser aller Quellen wurde chemisch oft untersucht und die Bestandteile des Wassers in verschiedenen Werbeschriften pro Brunnen veröffentlicht.

Mittlerweile gab es aber in Deutschland einheitliche und strengere Richtlinien über die notwendige Menge von Mineralien, die in einem derart angebotenen Wasser sein mußten. Da die Quellen des Guten Brunnens diesem geltenden Standard nicht entsprachen, erklärte 1941 der Landrat von Stollberg, daß offiziell die Bezeichnung „Bad“ nicht mehr aufrecht erhalten werden kann. Auch wurde die Bezeichnung „Radiumbad Guter Brunnen“ auf Etiketten untersagt.

Um die Anreise der Gäste zu erleichtern, gab es sogar am Guten Brunnen zeitweise eine Bedarfshaltestelle innerhalb der Bahnlinie Stollberg-Zwönitz-Scheibenberg.

Zur ehemaligen Anlage des „Bad Guter Brunnen“ gehörten eine Gaststätte, ein Badehaus (1819 – Abriß 1998), ein Wasserhaus und andere Nebengebäude, wie Stall, Scheune und Schuppen.

Die Wasserspende und Nutzung der Heilquellen war über die gesamten 500 Jahre oft durch unwetterbedingte Verschmutzung und Zerstörung der Quellen, durch Besitzerwechsel und andere Ereignisse unterbrochen. Sie erhielten durch Neufassungen mit entsprechenden Feiern, hauptsächlich in den Jahren 1608, 1646 und 1717 neuen Auftrieb. Das ständige Auf und Ab in der Geschichte des Guten Brunnens ist für dieses Gebiet bezeichnend.

Heute liegt die Gesamtanlage brach.

Zum Schutz des damals vernachlässigten Quellgebietes und seiner gezielten Entwicklung wurde am 18. Oktober 1984, mittels Beschluß, ein Flächennaturdenkmal eingerichtet. Dabei wurde besonders die Bedeutung der Anlage in der sächsischen Bädergeschichte hervorgehoben. Es wird bis heute naturschutzfachlich bewirtschaftet und gepflegt und beherbergt eine Reihe gefährdeter Pflanzen- und Tierarten, sowie besonders geschützte Biotope.

 

 

» St. Anna-Kapelle

Einen direkten Hinweis auf das Vorhandensein einer Kapelle unmittelbar nach der Entdeckung der Heilquelle gibt es nicht.

Es ist aber bekannt, daß man sich in dem sehr abseits gelegenen Gelände bald Schutzhütten baute, um die langen Wartezeiten zu überbrücken, denn die Zahl der Heilungssuchenden war ja auch sehr groß. Verständlich ist daher auch der Bau einer kleinen Kapelle. 1603 gibt Peter Richter bei seiner gerichtlich beglaubigten Aussage auch einen Hinweis auf eine Kapelle. JUNGHANß erwähnt dies 1717 so: „... bey diesem Brunn, eine Capelle, zu Ehren der heil. Annä, der heil. Jungfrau Mariä Mutter, wäre erbaut gewesen, so bereits vor 60. Jahren eingegangen, und demnach, wenn wir die Erbauung dieser Capelle, etwa 50. oder 47. Jahr, vor ihrem Ruin (Einsturz) setzen, es scheinet, daß der Ursprung solches Brunnens, etwa zu Ende des 14. Seculi, (Jahrhundert) nemlich im Jahr Christi 1498. oder nach Anfang des 15. Seculi, und also etwa 1501. Annoch in Pabstthum, könne, und müsse geschehen sein. Und weiln besagter heil. Annä wegen, dieser Brunn ingemein der Annenbrunn genennet werden; ...“

SCHEUNEMANN (1563), er war Arzt des Bischofs zu Bamberg, schreibt in seiner Abhandlung über das Geschehen am Guten Brunnen. In seiner umfangreichen Abhandlung geht er auch auf die Kapelle ein. Er vermutet, gestützt auf Aussagen von Augenzeugen, einen Verfall der (wohl einfachen, hölzernen) Kapelle bereits um 1540. Nach der Übersetzung durch Pfarrer LÖSCHER (1896) heißt es bei Scheunemann: „ ... Daß es einleuchte, daß die Quelle nicht eine neue Entdeckung sei, sondern schon in vielen frühen Jahrhunderten besucht worden sei, weil die Umwohnenden weder leugneten noch leugnen können, daß zunächst der Quelle eine Kapelle zu Ehren der Heil. Anna gegründet worden, aber vor 60 Jahren verwüstet, zusammengestürzt sei, so daß jetzt nur noch geringe Spuren des Grundbaus zum Vorschein kämen. Viele Dachziegel aber habe gefunden, während man weitere Adern der Quelle gesucht und die oberste Erdschicht weggegraben habe. Davon sei er ein Augenzeuge gewesen“.

Ein, erst unlängst bekanntgewordenes Schriftstück, gibt einen näheren und sicheren Hinweis.

1504 erwähnt nämlich ein Verwaltungsregister des Meißner Bistums eine „capella Sancte Anne in Czwenitz in sede Stolbergk“. Da bislang keine andere Kapelle aus damaliger Zeit in Niederzwönitz bekannt ist, kann im Nachhinein angenommen werden, daß es sich um eine Kapelle nahe des Anna Brunnens handelte.

OESFELD (1646) hat am Brunnen zurückgelassene Krücken gesehen. Ebenso wird darüber auch 1742 berichtet.

1717 wird von einem so großen Andrang berichtet, daß im Gelände der Brunnens Hütten und Buden gebaut wurden und daß fünf Fleischer und Bäcker aus Niederzwönitz die Leute mit Nahrung versorgten. Es wird von täglich 400-600 Besuchern berichtet. Zu anderer Zeit wird von Hütten aus Reisig und Moos berichtet und man schätzte dort 4 bis 6 Tausend Besucher an einem Wochenende.

SCHUMANN (1820) gibt, nach einem alten Rechnungszettel, in seinem „Vollständigen ... Staats Lexikon“, Bd. XI. S. 65, für die Kapelle als ersten Namen: „unsere liebe Frau am heiligen Brunnen“ oder auch „zur elenden Maria“ an.

Sicherlich gab es nach dem Verfall der Kapelle einfache Andachtsstätten, denn es wird ja des öfteren auch von seelsorglicher Betreuung der vielen Kranken und auch von Betstunden (LEHMANN - 1699) gesprochen.

Auch die großen Veranstaltungen, anläßlich von Neufassungen (z.B. 1711/ 1818) fanden unter kirchlicher Leitung statt. Ein Kapellenneubau, zudem noch mit dem Patronat einer Heiligen, war damals aber aus protestantischer Sicht nicht zu erwarten, obwohl die heilige Anna zu dieser Zeit beim Volk hoch in Ehren stand.

In der Zeit der vielen ABMaßnahmen Anfang der 90-Jahre des letzten Jahrhunderts, mehrten sich die Aktivitäten, auch am Guten Brunnen. Stadt und Kirche planten den Bau einer Kapelle im dortigen Gelände. 1997 begann der Bau und schließlich wurde am 26. Juli 1998, 500 Jahre nach der Entdeckung der Quelle, die „St. Anna Kapelle“ durch Herrn Weihbischof Georg Weinhold unter Beteiligung der Öffentlichkeit geweiht.

Alle Schnitzwerke im Innern der Kapelle stammen von Frank Salzer, einem Zwönitzer Schnitzmeister. Die bunten Glasfenster fertigte Frau Ute Leichsenring, ebenfalls aus Zwönitz, an.

Die oft und gern besuchte Kapelle ist ganztägig geöffnet und wird von mehreren katholischen Gemeindemitgliedern betreut.

Die katholische Gemeinde von Zwönitz feiert jährlich im Juli das „St. Anna Fest“, an dem auch viele Gäste aus der Umgebung teilnehmen.

Die Kapelle steht auch auswärtigen Gruppen für Andachten, nach entsprechender Anmeldung im Pfarramt, zur Verfügung.

 

Für das gesamte Gebiet existiert ein umfangreiches Literaturverzeichnis mit über 150 Angaben, welche z.T. bis ins Jahr 1576, (1504) zurück reichen.

Letzte, größere Abhandlung ist 1998 unter dem Titel: „500 Jahre Guter Brunnen Zwönitz“, als Heft 14 in der Reihe „Stadt Zwönitz - Beiträge zur Geschichte der Stadt und ihrer Dörfer“ erschienen.

Norbert Krätzig - 2010